ein Gespann?

 

Was ist eigentlich ein Gespann?


Lenkdrachengespanne haben eine ganz eigene Faszination. Die Eigenschaften eines Drachens durch gleichartige Modelle und Größen zu multiplizieren oder sie mit gleichartigen Modellen, aber verschiedenen Größen zu variieren ist eine ganz andere, spannende Art des Lenkdrachenfliegens. Während "Lineare Gespanne" (Gespanne aus Drachen gleichen Modells und gleicher Größe) die Kraft und Schnelligkeit um einen gewissen Faktor vervielfachen, verändern sogenannte "Progressive Gespanne", d.h. ein Gespann aus gleichen Modellen, aber unterschiedlichen Größen, das Verhalten der (einzelnen) Drachen enorm. Mit den Variablen aus Drachengrößen, Flugleinenlänge und Verbinderlänge zu experimentieren, um einen perfekten Lauf der Drachen miteinander zu erreichen ist jedes Mal eine interessante Angelegenheit.
Nicht zuletzt sind Drachengespanne (besonders progressive) immer aufs Neue ein atemberaubender Anblick am Himmel.

Was wird für ein Gespann benötigt?


Zuerst einmal entweder mindestens 2 Drachen eines Modells. Zum Beispiel 2x Topas 2.2 für ein lineares Gespann oder einen Devil Wing 1.7 und einen Devil Wing 2.5 für ein progressives Gespann. Manchmal haben die Drachen, die sich nur in der Größe und evtl. Farbe unterscheiden, andere Namen wie z.B. Delta Hawk und Delta Flizz oder Hot Stripe und Xplosion. Hat man die passenden Drachen vorliegen, muss man die Verbinderleinen anfertigen. Diese bestehen aus den „Koppelleinen“ und den „Adaptern“. Die Koppelleinen sind die eigentlichen Verbindungsleinen und die Adapter sind kleine Schlaufen, mit denen die Koppelleinen am Drachen befestigt werden. Aber erstmal der Reihe nach:

1. Um die korrekte Länge der Koppelleinen für das jeweilige Gespann zu ermitteln, nimmt man die Leitkantenlänge des Gespannanhängers (also jenes Drachens, der hinten fliegen soll) plus 20% und erhält so die optimale Länge. Beispiel: Der Topas 3.0 hat eine Leitkante von 2m, plus 20%, also 40cm ergibt eine optimale Koppelleinenlänge von 2,40m.

2. Die Leinen selbst kann man z.B. aus Waageleine oder aus normaler Drachenschnur herstellen. Je nach Zugkraft der Drachen sollte die gewählte Schnur die entsprechende Bruchlast haben. Waageleine hat den Vorteil, dass sie schon komplett gemantelt ist. Normale Drachenschnur muss an den Knotenpunkten (Endschlaufen) noch gemantelt werden. Ungemantelte Knoten sind Sollbruchstellen einer Leine!

3. Möchte man beispielsweise die Koppelleinen in der oben genannten Länge von 2,40m herstellen, so muss man bedenken, dass die Schlaufen, die man an beiden Enden knüpfen muss, ebenfalls ein wenig Schnur benötigen. Wenn die Endschlaufe etwa 10cm lang werden soll, muss man noch mindestens 10cm, besser 15cm Schnur auf die Solllänge hinzurechnen, also 2,70m von der Rolle abschneiden. Dann können an beiden Enden die Schlaufen so geknüpft werden, dass sich eine Gesamtlänge der Koppelleine (inkl. Schlaufen) von 2,40m ergibt. Hinweis: Auch der Knoten benötigt ein wenig Material!

4. Die erste Koppelleine ist ein Prototyp für die folgenden 4 Koppelleinen. An ihr kann man die anderen Leinen perfekt in der Länge ausrichten, denn alle müssen gleich lang sein. Insgesamt benötigt man 5 Koppelleinen.

5. Ein Adapter besteht aus einer etwa 10cm langen einzelnen Schlaufe. Dafür muss man also ca. 25cm Schnur von der Rolle abschneiden (Doppelt legen plus den Knoten), um einen 10cm langen Adapter herzustellen. Auch die Adapter (5 Stück) müssen alle exakt gleich lang sein: Die Toleranz beträgt 0,5cm (gilt auch für die Koppelleinen).

6. Wenn man fertig ist, hat man 5 Koppelleinen und 5 Adapter für ein duales Gespann (2 Drachen) hergestellt, dessen Anhänger eine Leitkantenlänge von ca. 2m hat, egal, ob es sich um ein lineares oder progressives Gespann handelt.

7. Möchte man mehr als 2 Drachen in einem Gespann verbauen, muss man die Schritte 1-4 wiederholen und einen zweiten Satz Adapter (nochmal 5 Stück) herstellen. Die Maße der Koppelleinen richten sich dann wieder nach dem letzten Drachen im Gespann. Bespielsweise möchte jemand sein Gespann aus Topas 2.2 und Topas 3.0 mit einem Topas 4.5 ergänzen. Die Koppelleinen aus den Beispielen oben sind 2,40m und befinden sich zwischen 2.2 und 3.0, der 4.5 hat eine Leitkantenlänge von ca. 3,20m, plus 20%, ergibt eine optimale Länge der Koppelleinen von 3,84m zwischen 3.0 und 4.5.

Die wirklich optimale Länge der Koppelleinen ergibt sich aber auch durch das Einsatzgebiet. Z.B. funktionieren lange Koppelleinen an der See bei gleichmäßigem Wind, aber im Binnenland bekommt man dasselbe Gespann nicht zum Fliegen, weil kürzere Koppeln hier effektiver wären. Hier ist ein wenig Experimentierfreudigkeit gefragt. Auch erhöhen lange Koppelleinen die Zugkraft eines Gespanns, denn der Anhänger befindet sich dann weniger im Windschatten des Leitdrachens und kann mehr eigenen Druck aufbauen. Genauso können kürzere Koppelleinen ein lineares Gespann entschärfen. Für progressive Gespanne eignen sich kürzere Koppelleinen besser, da sie den Drachen weniger Raum zum Ausbrechen geben (Unterschiedliche Größen und unterschiedliches Flugverhalten der Solodrachen müssen in Einklang gebracht werden) und sie mehr oder weniger "aneinandergetackert" am Himmel stehen.

Wie baut man ein Gespann auf?

Nach dem Aufbau der Drachen und der Positionierung hintereinander werden die Koppelleinen an dem Gespannanhänger befestigt. Es gibt insgesamt 5 Verbindungspunkte: an den Gummiverbindern der oberen und unteren Querspreizen rechts und links und am Mittelkreuz. Die Koppelleine wird mit einer ihrer Endschlaufen um einen Verbinder gelegt (die Querspreize muss dafür aus dem Verbinder genommen werden) und dann komplett durch die Schlaufe gezogen. So ergibt sich ein weiter Buchtknoten um den Verbinder herum. Die anderen 3 Koppelleinen werden genauso an den Querspreizenverbindern befestigt. Die letzte wird um das Mittelkreuz, bzw. wenn es eine ausreichend große Aussparung im Segel gibt, direkt an den Kielstab geschlauft (Endschlaufe durchführen und Koppelleine komplett durchziehen). Die Adapter werden nun in gleicher Weise am Leitdrachen befestigt, sodass die Knoten (Anknüpfpunkte) nach hinten zeigen. Nun müssen die Koppelleinen nur noch befestigt werden.






 
Hinweis: Besitzt der Gespannanhänger eine Knotenleiter in der Waage am Verbinder der oberen Querspreize, wird diese Knotenleiter als Anknüpfpunkt benutzt! Der Vorteil ist hierbei, dass man den letzten Drachen steiler stellen und so die Flugeigenschaften des Gespanns positiv beeinflussen kann. Wenn es möglich ist, sollte die Knotenleiter stets benutzt werden. Es müssen also nur 3 Koppelleinen direkt angeschlauft werden und die anderen beiden sitzen dann direkt an der Knotenleiter. Generell gilt: Den letzten Drachen immer einen Knoten steiler stellen, als den Rest.
Wenn man die Knotenleiter benutzen möchte, muss man die Waage nicht abbauen, sondern kann den Buchtknoten des Waageschenkels einfach weit Richtung Leitkante schieben und die Koppelleine dann am gewünschten Knoten befestigen.

Wie startet, fliegt und landet man ein Gespann?

Da hier mehrere Drachen zusammenspielen, ist ein Gespann grundsätzlich anders zu fliegen, als ein Solodrachen, weil ein Gespannanhänger nicht direkt beeinflusst werden kann. Dieser folgt nur den Bewegungen des Leitdrachens, der vom Piloten gesteuert wird. Läuft das Gespann gut zusammen („Wie auf Schienen“), dann ist das Verhältnis der Drachen zueinander perfekt ausbalanciert und sie fliegen „wie einer“. Stimmt etwas nicht, z.B. die Länge der Verbinder oder der Wind, dann wird das Gespann unruhig, eventuell droht der Gespannanhänger, auszubrechen oder beide schaukeln sich zu einem unfliegbaren Zustand auf. Daher sollte ein Gespannversuch nur von einem erfahrenen Piloten geflogen werden, der im Notfall weiß, wie man es sicher wieder landet. Ist das Gespann eingestellt, berechenbar und fliegt gut, ist es überhaupt kein Problem, wenn auch jemand mit weniger Flugpraxis die Leinen in die Hand nimmt.

Das Starten ist eine heikle Phase, besonders für Gespanne aus Powerdrachen. Langsam richtet man das Gespann an seinem Startplatz durch vorsichtiges Spannen der Flugleinen auf. Entweder merkt man, dass der Leitdrachen abheben will und gibt dann einen kräftigen Impuls, oder man spannt die Flugleinen soweit, dass der Leitdrachen nach vorne umzukippen droht und gibt in der anfänglichen Kippphase sofort einen kräftigen Impuls. Der Leitdrachen will normal hoch, aber da hängt nochwas dran, dann kommt der Anhänger mit und beide drachen schaukeln für einen Moment und bremsen sich gegenseitig aus. Daher sollte so schnell wie möglich Druck aufgebaut werden, in dem z.B. eine lange gerade Bahn geflogen wird, die den Flug stabilisiert.

Das Fliegen selbst ist eine neue Erfahrung, die bei jedem Gespann anders ist. Die Drachen verhalten sich plötzlich ganz anders, als man es solo von ihnen gewohnt ist. Bei Leichtwind lassen sich Gespanne kaum parken und wenn, dann nur im Zenit. Ein Gespann ist ein bewegtes Objekt, dem möglichst viel Raum gegönnt werden sollte. Daher empfehlen viele Gespannliebhaber für große Drachen oder ein langes Gespann möglichst lange Flugleinen (jenseits der 50m) zu wählen, um die optimale Stabilität durch raumgreifende geradlinige Flüge zu beeinflussen.

Das Landen des gesamten Gespanns auf einmal kann gut gehen, muss aber nicht. Wenn man es mit einem Solodrachen beherrscht, kann man das Gespann wie einen solchen am Windfensterrand absinken lassen, herumdrehen und auf den Flügelspitzen stehend abstellen. Ansonsten kann man es auch einfach ganz konsequent aus dem unteren Windfenster herausfliegen, absinken und auf die Wiese fallen lassen. Dabei darf man die Augen nicht von den Drachen lassen, bis sich nicht auch der letzte von ihnen in einer ungefährlichen Position befindet und dort garantiert liegen bleibt, während man die Flugleinen aus der Hand legt. Zur Not kann man auch jemanden zum Sichern des Gespanns dorthin schicken, während man selbst noch die Flugleinen (und damit die Kontrolle) in der Hand behält.


 
von Christin Töws
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