ein geeigneter Platz zum Fliegen?


 

Was ist eigentlich ein geeigneter Platz zum Lenkdrachenfliegen?



Ein geeigneter Platz, um seinen Drachen in die Luft zu lassen, ist sehr stark davon abhängig, welche Art von Drachen man fliegen und was man damit machen möchte. Im Grunde ist jeder Platz geeignet, der die Vorraussetzungen für das Vorhaben erfüllt. Ungeachtet der verschiedenen Arten, die es beim Lenkdrachenfliegen gibt, müssen einige Grundeigenschaften der Umgebung erfüllt sein:

1. Der Wind

Ohne Wind kann ein Drachen nicht fliegen (Ok, da gibt es welche, aber von denen ist hier nicht die Rede), daher muss der Platz gut vom Wind angeströmt werden. Das Wort „angeströmt“ verrät schon eine wichtige Eigenschaft des Windes: er ist eine Strömung. Ähnlich wie Wasser strömt er über das Land und verwirbelt an Bäumen, Gebäuden, Sträuchern, Deichen etc. Daher muss der Abstand zu einem Hindernis in Luv ausreichend weit gewählt werden, um einen optimalen Luftstrom zu erreichen. Als Anhaltspunkt, bzw. physikalisch messbare Entfernung, ist ein Abstand von einer Entfernung zu nennen, die 30mal so weit, wie das Hindernis hoch ist. Als Beispiel: Nach Luv befindet sich ein 10 Meter hohes Haus. Damit wäre der Abstand nach Lee 300m, um wieder einen wirbelfreien Luftstrom in Bodennähe zu erhalten. Zum Vergleich: Ein Fussballfeld hat eine Länge von ca. 100m.

Nähere Infos: http://www.art-kite.com/Info___Service/w...lande.html

Mit verschiedenen Leinenlängen können unterschiedliche Strömungsbereiche des Windes genutzt werden. In Bodennähe können andere Bedingungen herrschen, als in 30m Höhe oder mehr.

Bei der Beobachtung und Auswertung des Windes sind einige Kenntnisse über atmosphärische Phänomene (Wind und Wetter) sehr von Vorteil, um beispielsweise entscheiden zu können, ob man den aktuellen Wind einer herannahenden Wetterfront (Gewitter, Sturm) zu verdanken hat oder ob es sich um eine stabile Wetterlage handelt.

2. Der Platz


Ein Drachen braucht soviel Platz, wie die Leinen lang sind, die man verwenden möchte. Dazu kommt ein Sicherheitsabstand zu Hindernissen in Lee. Je nachdem, ob man Tricksen (kleiner beabsichtigter Landverlust) oder Powerkiten (großer Landverlust, zum Teil ungewollt) möchte, muss der Sicherheitsabstand entsprechend gewählt werden (minimal 50% der Leinenlänge). Der Platz gilt allerdings nicht nur vom Piloten aus nach Lee, sondern auch 90° zum Wind gedreht (rechter und linker Windfensterrand). Das ergibt z.B. bei 30m langen Leinen einen gedachten Halbkreis auf dem Boden mit einem Durchmesser von 60m, in dem keine Hindernisse zu finden sein dürfen. Auch dürfen keine Menschen und Tiere in dieser, von uns genannten „Ohr-ab-Zone“, gefährdet werden, denn der Drachen ist ja kein führungsloses Objekt am Himmel, sondern spannt die Leinen in dieser Zone zu einem physikalisch spürbaren (gefährlichen!) Radius.

Wir haben jetzt einen Platz, der optimal vom Wind angeströmt wird und der ausreichend Raum für unser Vorhaben bietet.

3. Die Umgebung

Sind die Bedingungen von 1. und 2. erfüllt, ist man geneigt, fröhlich motiviert den Bodenanker zu setzen und mit dem Vergnügen zu beginnen. Doch vorher muss man noch einen Blick auf seine Umgebung werfen. Vor allem: Ist das Fliegen von Drachen aller Art an diesem Ort erlaubt? Befinde ich mich vielleicht in einem Naturschutzgebiet oder auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld? Wenn das nicht eindeutig geklärt ist, ist das Fliegen als „nicht erlaubt“ anzusehen. Leute, die widerrechtlich Wiesen etc. betreten oder in Naturschutzgebieten fliegen, schaden dem Image der Lenkdrachenflieger-Szene („Diese rücksichtlosen Rüpel mit ihren Drachen!“) und sind nicht gerne gesehen. Darüberhinaus machen es solche Leute schwierig, für uns positive Absprachen mit Landwirten zu treffen, da dieses rücksichtslose Verhalten ihre Schatten voraus wirft.

Generell ist zu sagen, dass Landwirte meistens nichts dagegen haben, wenn man ihre Futterwiesen (Gras) im Sommer bis zu 2 Wochen nach der regelmäßigen Mähung, im Herbst nach der letzten Mähung bis über den Winter nutzt.

4. Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen, Masten etc.

Nun hat man einen geeigneten, optimal angeströmten Platz gefunden, auf dem es erlaubt ist, Lenkdrachen zu fliegen. Prima. ABER noch ein weiterer Blick sei auf potenzielle Gefahrenquellen gerichtet: Vorsicht vor Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen und Masten in der unmittelbaren großflächigen Umgebung! Sollte es aus irgendeinem Grund passieren, dass der Drachen den Kontakt zum Piloten verliert (Loslassen, Leine gerissen), so kann es sein, dass ihn der Wind in die Nähe solcher Anlagen treibt und man kurz darauf ein sehr unschönes Erlebnis hat (Jeder weiß, was dann passiert!). Daher auf Windrichtung und -stärke achten und geeignete Sicherheitsmaßnahmen ergreifen (funktionierendes Safety-System, viel Flugerfahrung).
 
Ergänzung:
Luv und Lee sind Begriffe aus der Schiffahrt und bezeichnen eine windzugewandte Seite (Luv) und eine windabgewandte Seite (Lee). Als Beispiel: Wenn man einen Drachen fliegt, befindet dieser sich in Lee (dort, wo der Wind hinweht). Vom Drachen aus gesehen, befindet man sich in Luv (dort, wo der Wind herkommt). Eine Eselsbrücke kann man sich über die Aussprache bauen: "Dort, wo es pfeift (Luv), kommt der Wind her." oder "von Luv kommt der Wind"

von Christin Töws

 

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