Geschichte der Drachen
Der Ursprung der Drachen ist heute nur noch sehr schwer feststellbar. Es gibt Hinweise, dass die Drachen bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. erfunden wurden. Die erste geschichtliche Erwähnung von Drachen als Flugobjekt stammt aus dem China des 5. Jahrhunderts v. Chr. Jüngste Funde im indonesischen Raum lassen jedoch die Möglichkeit offen, dass Drachen als Flugobjekt noch wesentlich älter sein könnten.
Drachen in Asien
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Die ersten Drachen, die in China im 5. Jahrhundert v. Chr. auftauchten, bestanden hauptsächlich aus Bambusstäben und Seide. Weil Letztere teuer war, verbreitete sich der Drachen nur langsam. Das änderte sich, als das erste Papier entwickelt wurde. Man vermutet, dass die Drachen durch buddhistische Missionare und über den Handel mit Papier im 2. Jahrhundert v. Chr. schließlich auch Japan und Korea erreichten.
Der im Bild zu sehende Centipede Drachen war ursprünglich ein Drachen der nur für den Kaiser gebaut wurde und den nur er fliegen durfte. Er galt als ein Glückssymbol und wurde in der Qing Dynasty (1644-1911) so hoch wie möglich geflogen, um dann die Leine zu kappen und den Drachen dem Wind zu überlassen. Die Chinesen glaubten, dass damit auch alle Sorgen und Gefahren davonfliegen.
In Japan sind über 300 verschiedene Drachen bekannt. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Modelle oft nach vorhandener Geographie und Materialverfügbarkeit. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich die Bemalung und Bauart wenig verändert.
So entstanden im Laufe der Zeit viele Volksfeste, bei denen Drachen eine zentrale Bedeutung erhielten. Ein Beispiel ist hier das japanische Neujahrsfest.
Auch in Afghanistan spielen Drachen insbesondere im Herbst und in Wintermonaten eine große Rolle. Doch der Höhepunkt des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrfestes, Nauroz, das seit jeher am Frühlingsanfang zelebriert wird.
Drachen im Westen
Die Römer ließen zu besonderen Anlässen wie militärischen Siegen oder Volksfesten bunt verzierte Windsäcke fliegen. Die „echten“ Drachen kamen aber erst im 16. Jahrhundert über holländische, portugiesische und englische Kaufleute nach Europa.
Im 18. Jahrhundert schließlich waren Drachen als Kinderspielzeug im ganzen Westen verbreitet. Jetzt erst erkannte die Wissenschaft, welche forschungstechnischen Möglichkeiten der Drachen bot. Ein bekanntes Experiment dieser Zeit untersuchte mit Drachen die Wirkung elektrischer Blitze.
Der am Himmel schwebende Drachen trug in dieser Zeit auch stark zum beständigen Wunsch der Menschheit bei, fliegen zu können und beeinflusste so auch maßgeblich die Entwicklung der ersten Flugmaschine.
Im heutigen Griechenland ist das Fliegenlassen von selbstgebauten Papierdrachen fester Bestandteil des Kathara Deftera, dem Montag, an dem die Fastenzeit beginnt und die Karnevalszeit endet. An diesem gesetzlichen Feiertag stehen bei geeignetem Wind hunderttausende von Drachen über ganz Griechenland, wobei laut dem Volksglauben eine große erreichte Höhe des Drachens Glück für das kommende Jahr verheißt.
Militärischer Einsatz
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Der Drachen fand auch Anwendung im militärischen Bereich. Aus der Frühzeit und dem Mittelalter sind die folgenden Verfahren überliefert: Im alten Japan verwendeten Heerführer Drachen zur psychologischen Kriegführung. Sie befestigten Apparaturen zur Geräuscherzeugung an den Drachen und ließen sie nachts über den feindlichen Truppen steigen. Die Krieger glaubten so, sie würden von bösen Geistern attackiert. Es gibt auch Aufzeichnungen über riesige Drachen, die Bogenschützen trugen.
In Korea wurden mittelalterliche Schlachten mit Signaldrachen koordiniert, deren Zeichnung direkte Befehle an die Truppen darstellten. Diese waren auch aus bewaldeten Stellungen gut auszumachen und erreichten schnell die verschiedenen Truppen.
Im europäischen Raum wurde bei Belagerungen mit Drachen die Entfernung zu den feindlichen Stellungen ausgemessen. Dabei ließ man den Drachen abstürzen und maß die Länge der ausgegebenen Schnur.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts experimentierte der Amerikaner Samuel Franklin Cody mit seinem „Man Lifting System“ – bekannt geworden und 1903 patentiert als Cody's Mankite – für die britische Armee. Ziel der Experimente war es, einen Drachen zu konstruieren, der sich eignete, um einen Menschen erfolgreich in die Lüfte zu heben.
Während der Weltkriege fanden Drachen hauptsächlich in Bereichen der Luftüberwachung und Schützentraining ihren Einsatz, wurden aber bald durch neuere Technologien ersetzt. Die Firma Steiff überstand den Krieg durch ihren erfolgreichen Roloplan-Drachen, der vom Militär als Flakziel geordert wurde. Auch zur Abwehr von Tieffliegerangriffen wurden Drachen vielfach eingesetzt (Sauls Luftabwehrdrachen). Das Ziel dabei war die Störung der Flugbahn der Angreifer.
Im Zweiten Weltkrieg kam der Drachen Gibson Girl zum Einsatz. Er war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugbesatzungen, die notwassern mussten. Der Drachen trug eine dünne Notantenne in den Himmel, die mit einem Funkgerät verbunden war. Ein handbetriebener Generator erlaubte der Flugbesatzung, SOS zu funken.
Zivile Verwendung
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Neben der Verwendung als Kinderspielzeug und Sportgerät können Drachen auch zum Transport verwendet werden. Ein Beispiel hierfür ist Skysails. Ein computergesteuertes Drachensystem zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs von Schiffen. Dabei wird ein Lenkdrachen mit einer Fläche von bis zu 600 m² an einem Schiff befestigt und dient so als zusätzlicher Antrieb.
Drachen können auch für die Realisierung eines Antennenträgers in größerer Höhe verwendet werden. So ist es möglich, dass die Drachenschnur in Form eines Kabels ausgeführt ist und somit als Antenne für Längstwelle, Langwelle oder Mittelwelle dient.
Seit ca. 100 Jahren bekannt ist eine Art der Fotografie, bei der die Zugkraft eines Drachens genutzt wird, um eine Kamera zu heben. Dies wird international als Kite Aerial Photography (kurz KAP) bezeichnet.
Viele Jahre wurden Drachen auch für die meteorologische Untersuchung der freien Atmosphäre genutzt. Am Aeronautischen Observatorium in Lindenberg wurde am 1. August 1919 der noch heute gültige Höhenweltrekord für Drachen von 9740 m unter dem Aufstiegsleiter Georg Stüve (1888–1935) erreicht. Dabei wurde eine Drachenkette aus acht Schirmdrachen verwendet.
Außerdem wurden sämtliche Konstruktionsprinzipien der Luftfahrtpioniere direkt von Erfahrungen aus dem Drachenbau abgeleitet. Otto Lilienthal, Gustav Weißkopf, Graham Bell und die Brüder Wright arbeiteten sich mit Drachen an ihre Konstruktionen heran.
Quelle: Wikipedia
